Exoskelette für die Luftfahrt

Am Flughafen treffen Zeitdruck, wechselnde Arbeitsumgebungen und körperliche Tätigkeiten aufeinander. Besonders in der Bodenabfertigung und bei technischen Arbeiten werden Lasten bewegt, Gepäckstücke umgesetzt oder Arbeiten in unterschiedlichen Körperhaltungen ausgeführt.

Exoskelette können bei ausgewählten Tätigkeiten körperliche Unterstützung bieten. Welches System dafür infrage kommt, unterscheidet sich deutlich zwischen der Gepäckabfertigung, Arbeiten im Frachtraum, der Passagierabfertigung am Gate sowie technischen Tätigkeiten am Flugzeug.

Körperliche Arbeit zwischen Terminal, Vorfeld und Flugzeug

Ground Handling umfasst zahlreiche Tätigkeiten zur Vorbereitung eines Flugzeugs. Dazu gehören laut der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) unter anderem das Be- und Entladen von Gepäck, die Vorbereitung des Flugzeugs für das Boarding, das Bereitstellen von Catering-Ausrüstung und die Betankung.

Gerade beim Gepäck ist der Arbeitsprozess vielstufig. Nach Check-in und Sicherheitskontrolle wird das Gepäck über Förderanlagen sortiert und anschließend je nach Flugzeugtyp beispielsweise in Ladeeinheiten zusammengestellt oder für den Transport zum Flugzeug bereitgestellt.

Für ergonomische Unterstützung sind innerhalb dieser Prozesskette vor allem die Tätigkeiten interessant, bei denen manuelles Handling, wiederholte Bewegungen oder belastende Körperhaltungen auftreten.

  1. Förderanlage
  2. Gepäckwagen
  3. Belt Loader
  4. Frachtraum

Gepäckabfertigung: Heben, Umsetzen und Verladen

Gepäck sortieren und auf Wagen verladen

Fördertechnik transportiert einen großen Teil des Gepäcks innerhalb des Flughafens. Trotzdem bleiben manuelle Übergabepunkte. Das US-amerikanische National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) beschreibt etwa, dass Gepäckstücke zwischen Förderanlagen, Gepäckwagen und weiterer Abfertigungstechnik von Beschäftigten manuell bewegt werden.

Dadurch besteht die Tätigkeit nicht nur aus einem einzelnen Hebevorgang. Beschäftigte greifen Gepäckstücke, heben oder ziehen sie aus einer Position, drehen oder versetzen sie und legen sie anschließend an einer anderen Stelle wieder ab.

Hier können Rücken-Exoskelette interessant sein, wenn das jeweilige System zu den tatsächlich vorkommenden Hebe- und Beugebewegungen passt. Die Entscheidung sollte deshalb nicht allein anhand des Lastgewichts getroffen werden. Auch Greifdistanz, Arbeitshöhe, Häufigkeit und Bewegungsfreiheit spielen bei der Betrachtung einer Tätigkeit eine Rolle. NIOSH führt Gewicht, Hubhöhe und -distanz, Reichweite, Rumpfdrehungen beziehungsweise seitliches Beugen, Griff, Häufigkeit sowie Arbeitsplatz- und Gerätekonfiguration als Einflussgrößen des ergonomischen Risikos beim Gepäckhandling auf.

  • Lastgewicht
  • Arbeitshöhe
  • Greifdistanz
  • Häufigkeit
  • Bewegungsfreiheit

Gepäck am Flugzeug be- und entladen

Auf dem Vorfeld verändert sich die Tätigkeit. Nach Angaben von NIOSH bewegen Gepäckabfertiger Gepäck beispielsweise vom Wagen auf einen Belt Loader, bearbeiten es an der Frachtraumtür und stapeln es anschließend im Frachtraum. Beim Entladen läuft dieser Prozess in umgekehrter Richtung ab.

Damit entstehen unterschiedliche Bewegungsphasen innerhalb eines einzigen Arbeitsprozesses. Genau das ist für die Wahl eines Exoskeletts relevant: Eine Unterstützung muss nicht nur zu einem isolierten Hebevorgang passen, sondern auch die erforderliche Beweglichkeit während des gesamten Einsatzes berücksichtigen.

Arbeiten im Frachtraum

Besonders interessant ist der Übergang vom freien Vorfeld in den Frachtraum. Hier verändert sich das Arbeitsumfeld deutlich. Gepäck muss innerhalb des Frachtraums weiterbewegt und positioniert werden. NIOSH-Untersuchungen zum Gepäckhandling betrachten dabei ausdrücklich Tätigkeiten wie Heben, Schieben und Ziehen im Frachtraum.

Für eine mögliche Exoskelett-Anwendung bedeutet das: Nicht jede Unterstützung, die beim Heben außerhalb des Flugzeugs sinnvoll erscheint, muss automatisch für Arbeiten innerhalb des Frachtraums geeignet sein. Bewegungsraum, benötigte Mobilität und konkrete Arbeitsposition sollten deshalb separat bewertet werden.

Flugzeugwartung und technische Arbeiten

Neben der Gepäckabfertigung bietet die Luftfahrt weitere körperlich anspruchsvolle Einsatzfelder. Bei Wartungs-, Inspektions- und Montagearbeiten hängt die Belastung stark davon ab, wo am Flugzeug gearbeitet wird und welche Haltung über die Dauer einer Aufgabe erforderlich ist.

Arbeiten mit angehobenen Armen

Werden Werkzeuge oder Bauteile wiederholt mit angehobenen Armen geführt, liegt der ergonomische Schwerpunkt anders als beim Gepäckhandling. Hier kann statt einer Unterstützung des Rückens ein Schulter- oder Arm-Exoskelett infrage kommen.

Solche Systeme sollten daher nicht allgemein als „Exoskelett für Mechaniker“ betrachtet werden. Entscheidend ist vielmehr, ob eine konkrete Wartungs- oder Montageaufgabe tatsächlich über längere Phasen Arbeiten auf oder über Schulterhöhe beinhaltet.

Gebückte und räumlich eingeschränkte Tätigkeiten

Technische Arbeiten können außerdem Körperhaltungen erfordern, bei denen Beschäftigte nicht durchgehend aufrecht arbeiten können. Gleichzeitig kann die Tätigkeit häufige Positionswechsel, Gehen, Knien oder den Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsschritten verlangen.

Gerade hier zeigt sich eine wichtige Grenze einer rein produktbezogenen Auswahl: Unterstützung und Bewegungsfreiheit müssen gemeinsam betrachtet werden. Ein Exoskelett sollte deshalb anhand des vollständigen Arbeitsablaufs beurteilt werden, nicht anhand einer einzelnen Körperhaltung.

Weitere Einsatzmöglichkeiten am Boden

Nicht jede ergonomisch anspruchsvolle Tätigkeit im Luftfahrtumfeld besteht aus Gepäckhandling oder Wartung.

Längeres Stehen und stationäre Tätigkeiten

Arbeitsplätze mit längeren stehenden Phasen stellen andere Anforderungen als wiederholtes Heben. Für solche Einsatzbereiche können Unterstützungssysteme relevant sein, die speziell auf stehende Tätigkeiten ausgerichtet sind. Check-in- und Gate-Mitarbeiter verbringen häufig viele Stunden im Stehen. Während des Check-ins werden Passagiere betreut, Reisedokumente geprüft und Gepäck angenommen. Am Gate begleiten Mitarbeitende die Passagierabfertigung, führen das Boarding durch, kontrollieren Bordkarten und informieren Reisende über Änderungen oder den Boarding-Ablauf. Die körperliche Belastung entsteht dabei weniger durch schwere Lasten als durch lange stehende Tätigkeiten und statische Körperhaltungen. Für solche Einsatzbereiche können Unterstützungssysteme interessant sein, die speziell für stehende Arbeitsplätze entwickelt wurden.

Handling von Material und Ausrüstung

Auch abseits von Passagiergepäck lohnt sich der Blick auf manuelle Handlingprozesse. Entscheidend ist wieder die einzelne Aufgabe: Wird etwas vom Boden aufgenommen? Muss Material getragen oder umgesetzt werden? Wird überwiegend statisch gearbeitet? Gibt es häufige Wechsel zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten?

Die Antworten darauf führen wesentlich gezielter zur passenden Produktgruppe als die pauschale Suche nach einem „Exoskelett für die Luftfahrt“.

Welches Exoskelett passt zu welcher Tätigkeit?

Für die Vorauswahl lässt sich der Einsatz deshalb grob nach Belastungssituation strukturieren:

Schematische Darstellung der Gepäckverladung zwischen Gepäckwagen und Förderband am Flugzeug.

Heben, Beugen und Umsetzen: mögliche Anwendung für Rückenunterstützung

Schematische Darstellung technischer Arbeiten mit angehobenen Armen am Flugzeug.

Arbeiten mit angehobenen Armen: mögliche Anwendung für Schulter-/Armunterstützung

Schematische Darstellung einer stehenden Tätigkeit am Check-in-Schalter.

Längere stehende Tätigkeiten: mögliche Anwendung für entsprechende Bein- beziehungsweise Sitzunterstützung

Schematische Darstellung eines Gepäckabfertigers beim Positionieren eines Koffers in einem niedrigen Flugzeug-Frachtraum.

Wechselnde Tätigkeiten und eingeschränkte Arbeitsräume: besonders auf Bewegungsfreiheit und praktische Integration achten

Exoskelette unter realen Arbeitsbedingungen auswählen

Gerade die Luftfahrt zeigt, warum die Auswahl nicht mit der Produktkategorie beginnen sollte. Ein Gepäckabfertiger auf dem Vorfeld bewegt sich anders als jemand im Frachtraum. Technische Arbeiten stellen wiederum andere Anforderungen an Armposition, Beweglichkeit und Arbeitsraum.

Deshalb sollte zunächst der tatsächliche Arbeitsablauf betrachtet werden:

  • Welche Bewegungen wiederholen sich?
  • In welchen Arbeitsschritten entsteht die relevante Belastung?
  • Wie häufig wechselt die Tätigkeit?
  • Welche Bewegungsfreiheit muss erhalten bleiben?

Erst anschließend lässt sich beurteilen, welche Art von Unterstützung sinnvoll erprobt werden kann und wie Sie Exoskelette im Betrieb testen.

Beratung zu Exoskeletten für die Luftfahrt

Sie möchten Exoskelette am Flughafen einsetzen, etwa für Gepäckabfertigung, Ground Handling oder technische Arbeiten am Flugzeug?

Beschreiben Sie uns den konkreten Arbeitsablauf und die körperliche Belastung. Gemeinsam können wir eingrenzen, welche Exoskelett-Kategorie für die jeweilige Tätigkeit infrage kommt.

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