Exoskelette für die Lebensmittelindustrie

In der Lebensmittelindustrie und in der Gastronomie gehören körperlich belastende Tätigkeiten trotz moderner Produktions- und Logistikprozesse weiterhin zum Alltag. Exoskelette können Beschäftigte bei bestimmten Tätigkeiten wirksam unterstützen. Sie sind jedoch kein Allheilmittel und nicht für jeden Arbeitsplatz geeignet.

Deshalb beraten wir bei noonee bewusst offen und ehrlich. Wir sprechen nicht nur über die Vorteile von Exoskeletten, sondern auch über Kosten, Akzeptanz im Team, Hygieneanforderungen, mögliche Einschränkungen und technische Alternativen. Denn unser Ziel ist nicht der Verkauf um jeden Preis, sondern eine nachhaltige ergonomische Verbesserung des Arbeitsplatzes.

Ob der Einsatz von Exoskeletten sinnvoll ist, hängt nicht allein von der Branche oder Berufsbezeichnung ab. Maßgeblich sind der konkrete Bewegungsablauf, die Arbeitsumgebung, die Dauer und Häufigkeit der Belastung sowie die notwendige Bewegungsfreiheit. Gerade in der Lebensmittelindustrie müssen außerdem Hygiene, Reinigbarkeit, Temperatur, Feuchtigkeit sowie die Kombination mit Arbeits- und Schutzkleidung geprüft werden. Aber keine Sorge, Exoskelette kommen in der Lebensmittelindustrie auf Jeden Fall in Frage.

Wo entstehen körperliche Belastungen?

Die Lebensmittelindustrie umfasst deutlich mehr als Bauernhöfe, Supermärkte, Restaurants oder Großküchen. Zur Branche gehören unter anderem Lebensmittelherstellung und -verarbeitung, Getränkeproduktion, Bäckereien, Fleisch- und Fischverarbeitung, Molkereien, Obst- und Gemüseverarbeitung, Verpackungsbetriebe sowie Kühl-, Lager- und Distributionsprozesse.

 Lager, Kommissionierung und Lebensmittellogistik

Ein großer Teil der körperlichen Belastungen in der Lebensmittelindustrie entsteht nicht allein in der Produktion, sondern in Lager- und Logistikprozessen. Dazu gehören die Warenannahme, das Ein- und Auslagern von Produkten, die Kommissionierung von Bestellungen sowie Verpackungs- und Versandarbeiten. Auch Mitarbeiter in Zentrallagern, Distributionszentren und Kühlhäusern von Lebensmittelherstellern, Großhändlern und Supermarktketten gehören zu diesem Umfeld.

Typische Tätigkeiten sind das Be- und Entladen von Fahrzeugen, das Umsetzen von Kartons, Kisten, Säcken oder Behältern, das Stapeln und Entstapeln von Waren sowie das Zusammenstellen von Kundenaufträgen. Dabei wechseln sich Gehen, Beugen, Drehen, Greifen, Heben und Absetzen häufig über viele Stunden hinweg ab. Gerade bei wiederkehrenden Bewegungsabläufen können Exoskelette interessant sein, um Rücken, Schultern oder Arme gezielt zu entlasten.

Besondere Anforderungen gelten in Kühl- und Tiefkühllagern. Niedrige Temperaturen, Feuchtigkeit, Kondensation und zusätzliche Schutzkleidung können die Eignung eines Exoskeletts beeinflussen. Deshalb sollte vor einem Einsatz immer geprüft werden, ob das jeweilige System für die vorhandenen Umgebungsbedingungen freigegeben ist und sich mit den Hygiene- und Sicherheitsanforderungen des Betriebs vereinbaren lässt.

 Verarbeitung und Linienarbeit

In der industriellen Lebensmittelverarbeitung entstehen Belastungen nicht nur durch schwere Lasten. Auch repetitive Bewegungen, ungünstige Arbeitshöhen und längeres Halten einer Körperposition können relevant sein. Infrage kommen beispielsweise Tätigkeiten beim Sortieren, Portionieren, Beschicken von Anlagen oder manuellen Bearbeiten von Produkten.

Exoskelette in Gastronomie und Catering

In Restaurants, Hotels und Cateringbetrieben sind Exoskelette nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die Hürden liegen aber häufig höher als in einem strukturierten Produktions- oder Lagerprozess.

Im Service sind ein unauffälliges Erscheinungsbild, enger Kontakt zu Gästen, schnelle Richtungswechsel und freie Armbewegungen wichtig. Deshalb ist es realistisch, dass sichtbare oder voluminöse Systeme auf Akzeptanzprobleme stoßen. Eine pauschale Aussage, Kellner würden Exoskelette grundsätzlich ablehnen, wäre dennoch nicht belastbar.

Auch in der Küche wechseln Beschäftigte häufig zwischen Arbeitsstationen, drehen sich auf engem Raum, greifen in unterschiedliche Höhen und bewegen sich in der Nähe heißer Oberflächen. Ein System, das bei einer einzelnen Haltung unterstützt, kann bei anderen Bewegungen stören. Für Köche und Servicepersonal ist deshalb eine praktische Erprobung am realen Arbeitsplatz besonders wichtig.

Für Cateringunternehmen können eher Tätigkeiten außerhalb des Gästekontakts interessant sein: das Be- und Entladen von Fahrzeugen, der Auf- und Abbau, das Bewegen von Getränkekisten oder Thermobehältern sowie die Rückführung und Reinigung von Equipment. Auch hier gilt, dass verfügbare Transport- und Hebehilfen zuerst berücksichtigt werden sollten.

Reinigung, Spülküche und Betriebsservice

Auch Reinigungs- und Spülkräfte können körperlich belastet sein. Mögliche Belastungssituationen sind das Ein- und Ausräumen von Spülmaschinen, das Umsetzen gefüllter Geschirrkörbe, Arbeiten an niedrigen Maschinenöffnungen oder anhaltendes Vorbeugen.

Wichtige Überlegung vor dem Einsatz eines Exoskeletts

Auch nicht jede körperliche Belastung rechtfertigt sofort ein Exoskelett. Zunächst sollte geprüft werden, ob sich der Arbeitsplatz ergonomisch verbessern lässt, etwa durch günstigere Arbeitshöhen, kürzere Greifwege, reduzierte Gebindegewichte, Hebehilfen oder angepasste Materialflüsse.

Bei seltenen Hebevorgängen, stark wechselnden Lasten oder vorhandenen Hebehilfen kann der Zusatznutzen gering sein. Wichtig ist: Ein Exoskelett erhöht nicht automatisch die zulässige Last und ersetzt keine geeignete Hebe- oder Transportvorrichtung. Exoskelette sollten daher nur eingesetzt werden, wenn nach ergonomischen Verbesserungen eine relevante Restbelastung bleibt und das System sicher, hygienisch und ohne Behinderung genutzt werden kann.

In Produktionsbereichen sind zudem Sicherheit, Bewegungsfreiheit und Hygiene zu bewerten: Das System darf nicht an Maschinen, Förderanlagen oder Arbeitsflächen hängen bleiben, Fluchtwege einschränken oder Hygienekonzepte beeinträchtigen. Für Arbeitsplätze mit Exoskeletten ist außerdem eine Gefährdungsbeurteilung erforderlich.

Da es keine universelle Lösung gibt, sollten Tätigkeit, Komfort, wahrgenommene Unterstützung, Budget und Tragbarkeit über den gesamten Arbeitszyklus bewertet werden.

Welches Exoskelett passt zur Tätigkeit?

Die Auswahl beginnt nicht beim Produkt, sondern bei der Belastung.

Rückenunterstützende Exoskelette kommen vor allem bei häufigem Vorbeugen, Aufnehmen und Absetzen infrage. Schulter- und Armunterstützung passt eher zu längerem Arbeiten mit angehobenen Armen. Unterstützung für statisches Stehen kann an stationären Arbeitsplätzen interessant sein, wenn Beschäftigte lange stehen, aber regelmäßig ihre Position verändern müssen.
Für die Beurteilung sollten mindestens folgende Fragen beantwortet werden:

  • Welche Bewegung oder Haltung verursacht die Belastung?
  • Wie häufig und wie lange tritt sie auf?
  • Welche Körperregion soll unterstützt werden?
  • Welche Bewegungen müssen vollständig erhalten bleiben?
  • Bestehen Hygiene-, Temperatur- oder Reinigungsanforderungen?
  • Wird weitere persönliche Schutzausrüstung getragen?
  • Gibt es enge Durchgänge, Fahrzeuge oder Maschinenkontakt?
  • Lässt sich eine technische oder organisatorische Lösung besser umsetzen?

Kosten und Wirtschaftlichkeit realistisch bewerten

Für ein einzelnes Restaurant kann die Anschaffung eines Exoskeletts wirtschaftlich schwer zu begründen sein. Das gilt besonders, wenn die belastende Tätigkeit nur gelegentlich auftritt, wenige Personen das System nutzen oder eine kostengünstigere Arbeitsplatzanpassung möglich ist.

In größeren Lebensmittelbetrieben, Zentrallagern, industriellen Bäckereien, Produktionswerken oder Distributionszentren lässt sich die Entscheidung systematischer prüfen. Dabei sollten nicht nur Anschaffungskosten betrachtet werden, sondern auch:

  • Anzahl und Dauer der belastenden Tätigkeiten,
  • Zahl der infrage kommenden Arbeitsplätze,
  • Anpassungs-, Einweisungs- und Reinigungsaufwand,
  • mögliche Einschränkungen im Prozess,
  • Akzeptanz der Beschäftigten,
  • Alternativen wie Hebehilfen oder Arbeitsplatzumbauten,
  • Ergebnisse eines zeitlich begrenzten Praxistests.

Um die wirtschaftlichen Möglichkeiten besser einschätzen zu können, hilft der ROI-Rechner von noonee. Er hilft Ihnen, das mögliche Einsparpotenzial und die Amortisationszeit auf Basis Ihrer betrieblichen Rahmenbedingungen zu ermitteln.

Konkrete Einsparungen solten erst genannt werden, wenn betriebliche Daten vorliegen. Ohne solche Daten wäre ein Versprechen zu Produktivität, Ausfallzeiten oder Amortisation wenig seriös.

Exoskelette unter realen Bedingungen erproben

Ob ein Exoskelett funktioniert, zeigt sich nicht in einer allgemeinen Produktbeschreibung, sondern im tatsächlichen Arbeitsablauf. Für Lebensmittelbetriebe empfiehlt sich deshalb eine anwendungsbezogene Auswahl: Belastung identifizieren, mögliche Alternativen prüfen, geeignetes Unterstützungssystem auswählen und unter realen Bedingungen erproben.

Dabei sollten die betroffenen Beschäftigten früh einbezogen werden. Rückmeldungen zu Bewegungsfreiheit, Wärmeentwicklung, Druckstellen, Reinigung und wahrgenommener Unterstützung sind für die Entscheidung ebenso wichtig wie technische Produktmerkmale.

Für eine fundierte Entscheidung empfiehlt es sich, das passende Exoskelett im Rahmen einer strukturierten Testphase unter realen Arbeitsbedingungen zu erproben und die Erfahrungen systematisch auszuwerten. 

Sie möchten prüfen, ob ein Exoskelett zu Ihrer Tätigkeit in Produktion, Verpackung, Lager oder Gastronomie passt? Beschreiben Sie uns den Arbeitsplatz und den belastenden Bewegungsablauf. Gemeinsam grenzen wir geeignete Systeme und mögliche Alternativen ein.

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